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KLIWA-Workshop "Extreme Hochwasser"


Umgang mit extremen Ereignissen

Referent: Dr. Armin Petrascheck - Bundesamt für Wasser und Geologie, Biel

  1. Hochwasser grösser als der Bemessungsabfluss lassen sich nicht verbieten
    Beispiele: Elbe 2002, Aosta Tal, Wallis 2000, Donau, Aare 1999, Oder 1997; Piemont 1994, Wallis 1993
  2. Das Bemessungskonzept HQ100 geht von einer Wahrscheinlichkeit aus
    Wahrscheinlichkeiten von sehr seltenen Ereignissen sind schwer bestimmbar: Für Heute sehr unsicher und für Morgen noch unsicherer.
  3. Das HQ100 täuscht eine grosse Sicherheit vor. Die Bevölkerung kennt nicht die Unsicherheiten der Bestimmung. Der Begriff Wiederkehrperiode wird falsch interpretiert.
    Unsicherheiten gibt es bei der Pegelextrapolation, bei der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Oft sind zwischen einem HQ100 und einem HQ200 nur 10% Unterschied.
  4. Selbst wenn wir die richtige Wahrscheinlichkeit kennen würden, wüssten wir nicht wann das Hochwasser kommt.
    An der Elbe wurde der Pegelstand 8 m zwischen 1900 und 2000 nie erreicht. Zwischen 1800 und 1900 jedoch fünf mal überschritten.
  5. Die Worten "Schadenerwartungswert" und Risiko sind gleich definiert, aber es wird etwas anderes darunter verstanden.
    Akzeptanz der Gesellschaft lässt sich nicht aus einem mathematischen Konstrukt ableiten. Sicherheit ist nicht unbedingt ein kleiner Schadenerwartungswert.
  6. Das gesellschaftliche Ziel ist ein "angenehmes Leben"
    Um das Ziel "angenehm" zu erreichen müssen häufige Hochwasser und große wirtschaftliche Belastungen verhindert werden. Um das Ziel "Überleben" zu erreichen, braucht es einen Katastrophenschutz.
  7. Hochwasserschutz muss daher unterscheiden zwischen den Zielen "Verhinderung der Überschwemmung" (Sachgüterschutz) und Schutz des Lebens und der Lebensgrundlagen (Katastrophenschutz)
    Beide Ziele sind streckenweise gemeinsam. Da aber gerade bei Großereignissen Lebensgefahr besteht und der Schutz gegen Überschwemmung an seine physischen Grenzen stößt, muss mit der Notfallplanung das Ziel "Existenzsicherung" verfolgt werden. So wie der Sicherheitsgurt beim Auto auch keinen Unfall verhindert, sondern nur die Überlebenschance erhöht.
  8. Bei der Notfallplanung für Extremereignisse gilt es die Überschwemmung in relativ schadenarmen Gebieten zuzulassen.
    Der Schutz kann sich auf einige Kerngebiete beschränken. Objektschutz kann die individuellen Risiken vermindern. Evakuation ist bei großen Überschwemmungstiefen oft die einzige Möglichkeit zum Schutz von Menschenleben



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