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KLIWA-Workshop "Extreme Hochwasser"


Hochwasservorsorge - Handlungsstrategien nach den Augusthochwassern 2002

Referent: Prof. Dr. rer. nat. habil. Uwe Grünewald - TU Cottbus

Die großen Hochwasserereignisse im August 2002 haben auf Grund der erheblichen materiellen und immateriellen Schäden eine lange nicht beobachtete Betroffenheit ausgelöst. Im Gegensatz z. B. zur Oderflut 1997 stellten sich diesmal auch in Teilen Deutschlands katastrophale Verhältnisse ein. Für viele Menschen bedeuteten diese Ereignisse herbe Einschnitte in ihre bisherige Lebensplanung, einige verloren sogar - oft in Verkettung tragischer Umstände - ihr Leben und für die Masse der Bevölkerung wurde der (Irr-)Glaube an einen allseitigen und umfassenden staatlichen "Hochwasserschutz" erheblich gestört. Plötzlich gelang es im "medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeitshoch" über Jahrzehnte gestaute föderale, regionale, kommunale usw. Handlungsdefizite wesentlich unverkrampfter und offener als bisher zu thematisieren.

Als ein Resultat dieser "zwischenzeitlichen Offenheit" kann die interdisziplinäre Studie " - Hochwasservorsorge und Hochwasserbewältigung in Deutschland - Lernen aus der Katastrophe 2002 im Elbegebiet" angesehen werden. Sie setzt sich u. a. auseinander mit den erneut deutlich gewordenen Handlungsdefiziten im Bereich der Flächen-, Bau-, Informations-, Verhaltens- und Risikovorsorge, zieht aber auch solche bei der Katastrophenbewältigung ein. In der Studie wurde bewusst der Weg gewählt, seit längerem bekannte Defizite und offene Fragen deutlich herauszustellen und offen zu legen, anstatt diese hinter diplomatischen Formulierungen zu verstecken. Als außerordentlich problematisch werden dabei z. B. die immer wieder zu beobachtenden monokausalen Erklärungsversuche sowohl für das Auftreten (z. B. "eindeutiges Resultat des Klimawandels") als auch zur Verhinderung ("Veränderung der Landnutzung wie z. B. konservierende Bodenbearbeitung erhöhen den Gebietsrückhalt gravierend") solcher extremer Hochwasser herausgestellt. Deutlich zeigt sich, dass z. B. der "niemals vorher beobachtete Hochwasserscheitel-Wasserstand von 9,40 m Pegel Dresden" letztlich einem Scheiteldurchfluss von rund 4.700 m³/s mit einem Wiederkehrintervall von ca. 150 bis maximal 200 Jahren zuzuordnen ist. Gemeinsam mit der zum dritten Mal nach ihrer Verlegung im Jahr 1893 in ihrem ursprünglichen Verlauf durchbrechenden Weißeritz verursachte dieser Extremwasserstand die hauptsächlichsten Schäden im Bereich der Landeshauptstadt Dresden.

Ohne Zweifel befindet sich unser Klima in einem ständigen Wandel und vieles deutet darauf hin, dass z. B. Starkniederschläge größerer Intensität und größeren Ausmaßes zukünftig regional und lokal häufiger auftreten. Es erscheint aber gefährlich, sich den (vorschnellen) Argumenten von Politikern unterschiedlichster Couleur kritiklos anzuschließen, die z. B. den "niemals vorher beobachteten Hochwasserscheitelwasserstand von 9,40 m am Pegel Dresden" im August 2002 eindeutig klimawandelbedingt zu "ideologisieren" oder "abtun zu wollen" um sich damit z. B. von allen Handlungsdefiziten und -fehlern der längeren und jüngeren Vergangenheit freizusprechen.

Anstatt einseitiger Schematisierungen von "Klimaänderungsskeptikern" und "Klimaänderungprotagonisten" gilt es m. E. kooperativ und konstruktiv, die komplizierten Akteursbeziehungen und -netzwerke bei der Hochwasservorsorge und -bewältigung aufzuhellen. Über Bundesländer- und Ländergrenzen hinweg gilt es, eindeutigere Prioritätensetzungen für unterschiedliche Zielebenen und Schutzziele schrittweise umzusetzen und auch im Zusammenhang mit der Diskussion der Wirkung von Klimaveränderungen auf das Extremabflussverhalten vom "Sicherheitsversprechen" zum "Umgang mit dem Risiko" überzuleiten.




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