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KLIWA-Workshop "Extreme Hochwasser"


Konsequenzen aus der Klimaveränderung für die Praxis der Wasserwirtschaft in Deutschland

Referent: Prof. Dr.-Ing. Markus Disse - Uni der Bundeswehr München

Die bisherigen Ergebnisse von KLIWA kommen für die Länder Baden-Württemberg und Bayern zu dem Schluss, dass vor allem in den Wintermonaten die Starkniederschläge und die Dauer der Nassperioden aufgrund der Klimaänderung signifikant zunehmen werden. Bei den Trockenperioden sind in dem Untersuchungsraum erheblich geringere Veränderungen anzutreffen.

Obwohl allgemein die Gefahr zunehmender Hochwasserereignisse im Mittelpunkt der Betrachtung von hydrologischen Auswirkungen der Klimaänderung steht, sollte meines Erachtens die Problematik möglicher Dürreperioden zusätzlich berücksichtigt werden. Tendenzen zu einer Verschärfung der Wasserknappheit deuten sich bereits in Ostdeutschland an.

Damit ergeben sich folgende Konsequenzen für die Praxis der Wasserwirtschaft in Deutschland:



1. Hochwasserschutz

Die gegenwärtigen Strategien zum vorbeugenden Hochwasserschutz (siehe zum Beispiel die 3-Säulen-Strategie Bayerns: Hochwasservorsorge - Technischer Hochwasserschutz - Stärkung des natürlichen Wasserrückhaltes in der Fläche) müssen weiter verfolgt und umgesetzt werden. Eine Erhöhung der Bemessungshochwasser ist meines Erachtens nicht notwendig, da bislang keine gesicherten Erkenntnisse über eine Vergrößerung der Hochwasserabflüsse bei hohen Jährlichkeiten (T = 100 Jahre und mehr) infolge des Klimawandels vorliegen. Auch unter der Annahme einer Erhöhung des HQ100 halte ich es für nicht zweckmäßig, den technischen Hochwasserschutz zu verstärken, sondern es sollte - neben dem Wasserrückhalt in der Fläche - das Hochwasservorsorgeprinzip weiter gefördert werden (Flächenvorsorge, Bauvorsorge, Verhaltensvorsorge, Risikovorsorge).



2. Niedrigwasserproblematik:

Die Gefahr von Dürreperioden in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich und kann - wie der Sommer 2003 gezeigt hat - folgende wasserwirtschaftliche Aufgaben berühren:

  1. Niedrigwasseraufhöhung für ökologische Belange,
  2. Kontrolle der Gewässergüte,
  3. Eventuelle Reduzierung der Kraftwerksleistung bei Gefahr der zu starken Erwärmung der Gewässer,
  4. Trinkwasserversorgung und damit zusammenhängende Fragen der Grundwasser- und Speicherbewirtschaftung.

Um diese langfristigen Aufgaben der Wasserwirtschaft effizient bewältigen zu können, sollten schon heute Strategien entwickelt werden, die in der Lage sind, auf mögliche Veränderungen des Wasserhaushalts zu reagieren. Dazu sind meines Erachtens folgende Schritte notwendig:

  1. Erarbeitung eines erweiterten Monitoringprogramms hinsichtlich (aktueller) Verdunstung und Gewässergüte,
  2. Verbesserung der Wasserhaushaltsmodelle hinsichtlich Grundwasserneubildung und Stofftransport,
  3. Erweiterung der Fließgewässermodelle hinsichtlich der (thermischen, chemischen und ökologischen) Gewässergüte,
  4. Untersuchungen auf der Mesoskala hinsichtlich der unterschiedlichen Reaktion (Sensitivität) verschiedener Einzugsgebiete auf Klimaänderungen,
  5. Ausarbeitung neuer Betriebsregeln (resultierend aus Klimaszenarien) für die Speicherbewirtschaftung,
  6. Ausarbeitung flexibler Bewirtschaftungskonzepte für das Flussgebietsmanagement.



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