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Thema: Hydrologie > Niedrigwasser > Langzeitverhalten (Vergangenheit)

Niedrigwasser
Langzeitverhalten (Vergangenheit)


Niedrigwasser Langzeitverhalten

Abb.: Niedrigwasser im Rhein bei Bingen

Sinkende Wasserstände und damit einhergehende Niedrigwasserperioden treten regelmäßig nach längeren Trockenperioden auf. Allein in den vergangenen Jahren gab es an größeren und kleineren Flüssen länger andauernde Niedrigwasserperioden, erst 2011 und dann 2015. In KLIWA durchgeführte Auswertungen zur Veränderung der Häufigkeit von Trockenwetterlagen in der Vergangenheit (s. KLIWA-Heft 18) kommen zu folgendem Schluss: Die Wahrscheinlichkeit eines trockenen heißen Sommers oder einer extrem trockenen Vegetationsperiode in Südwestdeutschland hat in den letzten vier Jahrzehnten, im Vergleich zum Zeitraum vor 1970, um mehr als das Doppelte zugenommen.

An größeren Flüssen bedeuten die Auswirkungen von Niedrigwasser nicht zuletzt auch wirtschaftliche Verluste. Die Änderungen in der Vergangenheit lassen sich durch langjährige Zeitreihen an Pegeln sowie durch ein umfangreiches Klima-Monitoring (s. KLIWA Monitoringbericht 2016) heute gut erfassen und auswerten.

Niedrigwasserabflüsse wurden exemplarisch an 30 Pegeln (10 je Bundesland) für den Zeitraum 1951 bis 2015 untersucht. Die betrachteten Niedrigwasserzeitreihen können allerdings durch wasserwirtschaftliche Nutzung oder durch siedlungswasserwirtschaftliche Maßnahmen beeinflusst sein. Diese Beeinflussung fand insbesondere in den letzten Jahrzehnten statt und kann auf viele Arten erfolgen, zum Beispiel durch Entnahmen oder Ableitungen, durch Abflusserhöhung infolge von Speicherbewirtschaftung oder durch Einleitungen aus Kläranlagen. Teilweise erfolgt gezielt eine Niedrigwasseraufhöhung aus Talsperren oder Überleitungen, wie durch das Überleitungssystem Main-Donau in Bayern. Dies ist bei der Interpretation zu beachten.
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über das Trendverhalten der Niedrigwasserabflüsse an den 30 untersuchten Pegeln in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz:

Niedrigwasser Langzeitverhalten
Für das gesamte KLIWA-Gebiet erlauben die Auswertungen keine eindeutigen Rückschlüsse über das Langzeitverhalten der Niedrigwasserabflüsse: Die jährlichen Niedrigstwasserabflüsse nehmen im Zeitraum von 1951 bis 2015 zwar an knapp zwei Drittel der untersuchten Pegel zu, doch zeigten sich an den übrigen Pegeln Abnahmen. Zudem sind die ermittelten Veränderungen mehrheitlich nicht signifikant, d.h. ihre Aussagekraft ist eher unsicher.

Die einzelnen Bundesländer weisen dabei Unterschiede auf. Während in Baden-Württemberg und Bayern an 70 bzw. 90 Prozent der Pegel ein zunehmender Trend der jährlichen Niedrigwasserabflüsse vorhanden ist, ist der Anteil in Rheinland-Pfalz mit ca. 30 Prozent deutlich geringer (Zeitraum 1951–2015). Die Mehrzahl der Pegel in Rheinland-Pfalz tendiert somit zu einer Abnahme im Niedrigwasserbereich. Ab dem Zeitraum 1974 betrachtet, deutet sich allerdings eine Trendumkehr an. Bis zu 60 Prozent der Pegel zeigen vermehrt abnehmende Tendenzen. Bei einem genaueren Blick in die Entwicklung der Niedrigwasserabflüsse im Sommer- und Winterhalbjahr gibt es Unterschiede – sowohl im Vergleich zum jährlichen Trend als auch räumlich: Im Winterhalbjahr haben die Niedrigwasserabflüsse an den betrachteten Pegeln in Baden-Württemberg und Bayern überall zugenommen. Dagegen haben sich die Abflüsse in Rheinland-Pfalz in den einzelnen Monaten zum Teil sehr unterschiedlich entwickelt. In den Sommermonaten zeigen die meisten Pegel in Baden Württemberg, im Süden Bayerns sowie an einzelnen rheinland-pfälzischen Pegeln Abnahmen. Diese Veränderungen äußern sich besonders in den Monaten Juni bis Oktober, je nach Region allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Gegenzug änderte sich an den nordbayerischen und Teilen der rheinland-pfälzischen Pegel wenig oder es traten sogar höhere Niedrigwasserabflüsse auf. Die maximale Dauer von Niedrigwasserperioden war überwiegend rückläufig. Dies deutet in der Gesamtheit auf eine Entspannung der Niedrigwassersituation hin. Allerdings sind auch diese Tendenzen größtenteils nicht signifikant und Einzeljahre mit angespannten Niedrigwassersituationen innerhalb des Gesamtzeitraums sind nichtsdestotrotz möglich..